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Kälbergesundheit noch stärker im Blick

Kälber

Gesunder Nachwuchs im Stall erfreut jeden Tierhalter.

Bild: Pixabay

Neugeborene Kälber sind in den ersten Lebenstagen einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt. Manchmal aber haben Milchviehhalter Probleme, die neugeborenen Kälber aufzuziehen. Das wurde von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover untersucht.

Da Kälber ohne ein eigenes, aktives Immunsystem geboren werden, sind sie den Infektionserregern gegenüber bei der Geburt weitgehend ungeschützt. 

Bei Wiederkäuern werden im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren keine Immunglobuline über die Plazenta vom Muttertier auf die Frucht übertragen.

Erst mit der Aufnahme des ersten Kolostrums und der Resorption dieser hochwertigen Eiweissmoleküle in die Blutbahn erhält das Neugeborene einen sogenannten „passiven" Immunitätsschutz.

Die Kolostrumaufnahme des Kalbes ist daher überlebensnotwendig und versorgt die Tiere mit einem Starttiter an spezifischen Antikörpern gegen die im Stall vorkommenden Krankheitserreger.


Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) und die Niedersächsische Tierseuchenkasse (TSK) haben genauer hingeschaut und Betriebe ermittelt, die Probleme haben, ihre Kälber groß zu ziehen.

Sie haben die Tierärztliche Hochschule in Hannover beauftragt, in diesen Betrieben eine gezielte Beratung durchzuführen und herauszufinden, ob und wie häufig die empfohlenen Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt bzw. aus welchen Gründen diese nicht aufgegriffen wurden.

Erste Ergebnisse des Forschungsprojektes liegen inzwischen vor und zeigen, dass die Aufzucht der Kälber für viele der betroffenen Milcherzeuger einen sehr zeit- und arbeitsintensiven Bereich bedeutet.

Kälberaufzucht sehr komplex

Da der Grad der Mechanisierung gering ist, werden viele Maßnahmen offensichtlich als unpraktisch angesehen.

Dazu sagt Jan Heusmann, Vorsitzender der LVN: „Mir ist bewusst, dass die Kälberaufzucht einen komplexen Arbeitsbereich darstellt, der aus verschiedenen Gründen bei einer Reihe von Berufskollegen nicht im Fokus des betrieblichen Handelns steht. Aber wir wollen nach Wegen suchen, dies zu verbessern.“

Eine erhöhte Kälbersterblichkeit in einzelnen Betrieben müsse insbesondere aus Gründen des Tierschutzes verringert werden. Zugleich müsse jeder Milchviehhalter auch aus wirtschaftlichen Überlegungen ein Interesse an einer hohen Aufzuchtrate der geborenen Kälber haben.

Nach den von der Tierärztlichen Hochschule vorgelegten ersten Ergebnissen des Forschungsprojekts stößt eine einmalige Beratung der Betriebsleiter an ihre Grenzen.

„Die Betriebsleiter und auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dafür sensibilisiert werden, dass sie mit vertretbarem Zeitaufwand und in der Praxis umsetzbaren Empfehlungen tatsächlich ihre Kälberverluste reduzieren können. Wichtigste Aufgabe bleibt dabei nach wie vor die ausreichende Versorgung der neugeborenen Kälber mit dem Kolostrum, der ersten Milch der Kuh direkt nach dem Kalben“, fasst Heusmann zusammen.

Dazu sei offenbar eine weitergehende Aufarbeitung der Forschungsergebnisse notwendig, um die Motivation der Betriebsleiter und aller Betriebsangehörigen zu steigern.

Praxisnahe Empfehlungen für eine erfolgreiche Kälberaufzucht hat die LVN bereits vor einigen Jahren in Form eines „Kälberleitfadens“ herausgegeben. Er kann von der Hompage unter www.milchwirtschaft.de heruntergeladen werden.

Quelle: Landvolk Niedersachsen