Pflanzenbau

Europa ist weitgehend GVO-frei - warum eigentlich?
Grüne Gentechnik: Fluch oder Segen?

Getreideernte

Zur aktuellen der Diskussion über die Zukunft unserer Landwirtschaft muss auch eine ehrliche Diskussion über Grüne Gentechnik angeschoben werden.

Bild: Pixabay

Viele Menschen vermuten intuitiv, dass gentechnisch veränderte Pflanzen gesundheitsschädlich sind und der Natur und Umwelt schaden. Keine Studie konnte dies bestätigen - trotzdem ist die Angst groß. Warum eigentlich?

Erst kürzlich bewegte die Diskussion und das EuGH-Urteil um CrisprCas - auch bekannt als Genscheren- erneut die Gemüter der Befürworter und der Gegner grüner Gentechnik.

Bei CrisprCas entstehen neue Pflanzen und sind im Gegensatz zu gentechnisch veränderten Organismen (GVO) nicht von in der Natur vorkommenden Mutationen derselben Pflanzenart zu unterscheiden. Befürworter der neuen Technik hatten deswegen verlangt, CrisprCas-Pflanzen rechtlich konventionell gezüchteten Pflanzen gleichzusetzen. 

Das nun sogar die europäischen Richter diese Innovationen den strengen Regeln europäischer Gentechnik unterwerfen lässt tief blicken.

“Wir müssen achtgeben, dass wir nicht aus Luxuspositionen des Überflusses heraus in Europa eine neue Technologie vor die Tür setzen”, sagte dazu Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Interview gegenüber dem Nachrichtendienst Reuters.

Vielleicht müssen wir Diskussionen um Grüne Gentechnik in Europa viel umfassender - und vor allem wissenschaftlicher - führen. Es muss auch die Frage beantwortet werden, ob die Gegner dieser Technologie ansatzweise recht haben, oder ob wir in unseren Köpfen einem Mythos unterliegen.

Wissenschaft contra Bauchgefühl

Gibt es wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die rechtfertigen, dass derart strenge Maßstäbe angesetzt werden und die den Anbau von Genpflanzen in Europa blockieren? 

Immerhin können wir weltweit auf knapp 30 Jahre Erfahrung in den Anbau von Gen-Pflanzen zurück blicken. Die US-Landwirtschaft baut seit Jahren diese Pflanzen an. Inzwischen sind über 90 Prozent der US-Felder mit Gen-Pflanzen überdeckt. Die Landwirte dort sind zufrieden und die schlimmen Befürchtungen der Gegner dieser Technologie sind bisher ausgeblieben.

Vor zwei Jahren haben mehr als 100 Nobelpreisträger, darunter sechs deutsche, sich in einem offenen Brief für den Einsatz Grüner Gentechnik in der Landwirtschaft stark gemacht. Sie forderten Umweltorganisationen wie Greenpeace mit ungewohnter Schärfe zum Umdenken auf.

Es geht bei diesem Thema um Wissenschaft, Vernunft, Entscheidungen aufgrund von Fakten, Erhalt des Planeten, sinnvoller Umgang mit Ressourcen und nicht zuletzt die Bekämpfung des Welthungers.

Seit Jahren belegen Umfragen immer wieder, dass die große Mehrheit der Verbraucher keine Gen-Lebensmittel will. Sie folgen dabei eher ihrem Bauchgefühl und inneren Ängsten. 

Angst vor dem Unbekannten

Greenpeace macht schon seit Jahren auf die potenziellen Gefahren einer Landwirtschaft mit Gentechnik aufmerksam. "Ihre Folgen sind nicht absehbar: weder für unsere Gesundheit noch für die Tierwelt noch für unsere Umwelt," wird auf der Internetseite Ängste geschürt. Wieso eigentlich, wenn es dafür nachweislich keinen einzigen Beleg gibt?

Gentechnisch veränderte Pflanzen "stellen eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht und die menschliche Gesundheit dar," wird dort behauptet. Belege dafür? Keine.

Dazu muss man wissen, dass Greenpeace eine Lobbyorganisation ist, die ihr Geld auch mit der Angst vor der Gentechnik verdient. 

Die emotionale Grundhaltung, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, ist unwissenschaftlich und verhindert möglichen Fortschritt.

Der schlechte Ruf der Genmanipulation ist weit verbreitet und gern geglaubt wird, weil er intuitiv einleuchtet: Er zapft direkt emotionale und intuitive Prozesse an, die in unser aller Köpfen unter dem Radar des Bewusstseins ständig ablaufen.

Ehrliche Diskussion und wissenschaftliche Erkenntnisse könnte helfen

Was diese Routinen anspricht, wird schnell verarbeitet und verinnerlicht – und dann auch schneller weitergegeben und schließlich populär –, und zwar unabhängig davon, ob es sachlich richtig oder falsch ist.

Anders gesagt: Viele Menschen sind gegen Genetik in der Landwirtschaft, weil es intuitiv sinnvoll scheint anzunehmen, Gentechnik sei gefährlich.

Was wir brauchen ist aber vielmehr eine wissenschaftlich fundierte Diskussion in Europa unter Einbeziehung der Verbraucher, damit wir nach Faktenlage und nicht nach Bauchgefühl und nicht definierten Ängsten entscheiden können, was gut für uns ist oder was nicht.