Pflanzenbau

PotatoEurope
Flexibilität bei der Kartoffelernte gefragt

Potato Europe Roden

PotatoEurope am 12. und 13. September 2018 auf dem Rittergut Bockerode in Springe (Calenberger Land/Südniedersachsen).

Bild: DLG e. V.

Auf der Messe PotatoEurope zeigen die Hersteller neueste Entwicklungen für das Roden und bei den Verladelinien.

Die aktuell beginnende Kartoffelernte lässt aufgrund des besonders trockenen Sommers sehr unterschiedliche Rodebedingungen erwarten. So zeigen erste Proberodungen eine stark variierende Größenzusammensetzung des Erntegutes, die je nach Standort von sehr wenigen, dicken Knollen bis hin zu vielen kleinen Kartoffeln reicht.

Darauf muss im Einzelfall mit zum Teil sehr deutlich voneinander abweichenden Maschineneinstellungen reagiert werden, um die Beschädigungsgefahr, aber auch die Knollenverluste möglichst gering zu halten.

Auf der Messe PotatoEurope am 12. und 13. September - auf dem Rittergut Bockerode in Springe (Calenberger Land/Südniedersachsen) - zeigen die Hersteller neueste Entwicklungen für die Rodetechnik und bei den Verladelinien.

Die heutigen Kartoffelroder bieten durch die vermehrten hydraulischen Antriebe, insbesondere im Bereich der Erd- und Beimengungstrennung, eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten, die es gezielt zu nutzen gilt. Dabei ist der grundlegende Zusammenhang zu berücksichtigen, dass mit zunehmender Größe der Knollen deren sortenspezifische Beschädigungsempfindlichkeit deutlich ansteigt.

Neben möglichst geringen Umlaufgeschwindigkeiten der Förder- und Trennelemente innerhalb des Roders, sollte auch das noch zu oft als Beschädigungsquelle unterschätzte Überladen der Kartoffeln auf die Transportfahrzeuge möglichst schonend erfolgen. Als technische Lösungen für eine reduzierte Fallhöhe der Knollen stehen bei den Bunkerrodern ein absenkbarer Bunkerkopf und die Nutzung eines Kistenbefülltrichters zumindest für die ersten Kartoffeln zur Verfügung.

Die Transportfahrzeuge können durch den Einsatz einer Bodenpolsterung, das Aufhängen eines Fallsegels bzw. Fallbrechers und das Absenken oder Abklappen eines Teils der Bordwand für eine knollenschonende Beladung fit gemacht werden.

Bei den Rodeladern unterstützen die verlängerten und mit mehreren Knickpunkten versehenen Überladeelevatoren sowie deren stufenloser Antrieb das knollenschonende Befüllen höherer Transportfahrzeuge. Mit zunehmender Knollentemperatur geht zwar die Beschädigungsempfindlichkeit der Knollen grundsätzlich zurück, aber stärkere Belastungen durch höhere Fallstufen oder zu schnell laufende Bänder können so nur in Grenzen kompensiert werden.

Bei einem eher kleinfallenden Erntegut, aber insbesondere bei dem Zweitansatz von Knollen, die bis zur Ernte nicht mehr ausreichend groß genug geworden sind, steigt die Gefahr von Kartoffelverlusten beim Roden deutlich an. Dies beginnt bereits im Siebkanal, wenn die lichte Weite der Siebketten für die kleinen Knollen deutlich zu groß ist. Hier begünstigen die teilungsunabhängigen Antriebe einen einfachen und schnellen Siebkettenwechsel, der sich im Sinne einer vorausschauenden Flächenhygiene immer bezahlt macht.

Zudem wird so auch bei trockenen Böden der Aufbau eines längeren, knollenschonenden Erdpolsters im Siebkanal unterstützt.

Weitere Verlustquellen vor allem kleinerer Knollen sind die vorrangig für den Richtungswechsel des Gutstromes innerhalb des Roders eingesetzten Ableiteinrichtungen. Hier sollten möglichst geringe Abstände z. B. zwischen Gummifingerband und Ableitwalzen eingehalten werden, um die kleinen Kartoffeln im Gutstrom zu halten und nicht wieder auf den Boden gelangen zu lassen. Rodeverluste sind der zentrale Ausgangspunkt für die unerwünschten Durchwuchskartoffeln und daher mit allen Mittel möglichst umfassend zu minimieren.

Um sowohl die Knollenqualität und die Rodeverluste als auch die wirtschaftlichen Aspekte der Kartoffelernte in Einklang zu bringen, werden die heutigen Erntemaschinen immer spezifischer auf die betrieblichen Anforderungen angepasst. Dies spiegelt sich sowohl in immer variableren Ausstattungskombinationen als auch in neuen Roderbaureihen wider.

So bietet der Markt an zweireihigen Bunkerrodern mit einer abgestuften Modellpalette, vor allem über die Dimensionierung der Siebfläche und Trenngeräte sowie das Fassungsvermögen des Bunkers, mittlerweile Auswahlmöglichkeiten, die bisher nur von einreihigen Maschinen bekannt waren. Damit soll vor allem den stetig wachsenden Kartoffelbetrieben über etwas kleinere und einfacher ausgerüstete Modelle der Übergang vom ein- zum zweireihigen Bunkerroder erleichtert werden.

Die in der Anschaffung teureren Bunkerroder gewinnen aber auch im internationalen Bereich weiter an Bedeutung, da so eine Entkoppelung zwischen dem eigentlichen Rodevorgang auf dem Feld und dem Abtransport der Kartoffeln möglich ist.

Diese Trennung ist vor allem für Betriebe vorteilhaft, die nicht über ausreichend Arbeitskräfte verfügen, um beide Verfahrensschritte gleichzeitig durchzuführen. Darüber hinaus lassen sich zusätzliche Standwagen als Puffer nutzen, um auch größere Hof-Feld-Entfernungen oder eine noch nicht angepasste Einlagerungsleistung zu überbrücken, ohne die Kontinuität der Rodearbeit zu beeinträchtigen.

Mit der Weiterentwicklung der Überladebunker ist bei entsprechend ausgerüsteten Maschinen ein einfacher Wechsel zwischen Bunker- und Überladebetrieb möglich, so dass sich der Einsatz klassischer Rodelader wieder verstärkt auf die beimengungsarmen Standorte konzentriert. Zur Beimengungstrennung reichen dann die querliegenden Trennelemente oder Axialwalzen zumeist aus, wobei letztere unter trockenen Rodebedingungen durch die Nutzung von Bypasseinrichtungen entschärft werden können.

Bei den zwei- und vierreihigen Selbstfahrern stehen Modelle mit Überladeelevator und mit Bunker zur Verfügung, der zumeist auch als Überladebunker nutzbar ist, so dass sich die Flächenleistung je nach Verfügbarkeit von Transportfahrzeugen weiter steigern lässt.

Neben dem klassischen Radantrieb sind einige selbstfahrende Roder serienmäßig oder optional mit Bandlaufwerken ausrüstbar, um so auch unter feuchten Erntebedingungen, wie im Herbst 2017, noch Kartoffeln roden zu können.

Die hohen Qualitätsansprüche an die Kartoffel setzen in Verbindung mit der temperaturabhängigen Beschädigungsempfindlichkeit der Knollen den Selbstfahrern aber deutliche Einsatzgrenzen, die bei der Kalkulation der jährlichen Rodeleistung und damit auch der Rodekosten zu berücksichtigen sind. Dadurch ergeben sich deutlich andere Rahmenbedingungen als beispielsweise in der Zuckerrübenernte.

Durch die Komplexität der Einflussfaktoren bei der Kartoffelernte gewinnen Assistenzsysteme in allen Maschinen, wie zum Beispiel Dammmittenfindung, Neigungsausgleich, Drehzahlanpassung oder Bunkerbefüllautomatik, eine immer größere Bedeutung, um den Fahrer von Routinefunktionen zu entlasten und sein Hauptaugenmerk unter Zuhilfenahme von Kameras auf die neuralgischen Punkte innerhalb des Gutstromes zu legen.

Gleichzeitig unterstützen eine standortangepasste Bodenbearbeitung, eine exakte Legearbeit und eine umfassende Bestandesführung das Ziel einer leistungsfähigen und qualitätsorientierten Kartoffelernte.

An der PotatoEurope 2018 beteiligen sich mehr als 220 Unternehmen aus den Bereichen Züchtung, Düngung, Pflanzenschutz, Technik für die Produktion und die Verarbeitung. Interessenten finden ausführliche Informationen unter www.potatoeurope.de.

Quelle: DLG e. V.