Pflanzenbau

Glyphosat für das Bienensterben verantwortlich?
Eine aktuelle Studie über Glyphosat lässt die Diskussion neu entfachen

Bienenstock

Wissenschaftler aus den USA untersuchten Gefährdungen der Bienen durch Glyphosat.

Bild: Pixabay

Vieles wurde Glyphosat nachgesagt: Es verursacht Krebs und sei Indikator für das Insektensterben. Wissenschaftliche Belege fehlten bisher. Eine neue Studie sorgt nun für Aufregung und macht Glyphosat für das weltweite Bienensterben verantwortlich.

Im renommierten Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) wurde eine sechs Seiten kurze Studie der Biologen Erick V. S. Mottaa, Kasie Raymanna und Nancy A. Morana von der University of Texas in Austin veröffentlicht.

Sie trägt ihr Fazit schon im Namen und dürfte die Debatte um Glyphosat gehörig anheizen: "Glyphosate perturbs the gut microbiota of honey bees" (deutsch: "Glyphosat stört die Darmflora von Honigbienen").

Die Studie führt Indizienbeweise an, wonach das weltweit vertriebene Glyphosat Ursache für das weltweite Bienensterben sein könnte.

Glyphosat wirkt gegen Unkräuter, indem es das Enzym 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase (EPSPS) blockiert. Dieses Enzym findet sich aber nicht nur in Pflanzen, sondern auch in einigen Darmbakterien. 

Die Biologen wiesen nach, dass acht für Honigbienen lebenswichtige Bakterien über Gene verfügen, um eigenes EPSPS als körpereigenen Stoff zu produzieren. 

Dass es die Bakterien selbst sind, die das Bienen-EPSPS produzieren, gelang durch ein Klon-Experiment zu entschlüsseln: Die Forscher fügten Gene aus den Darmbakterien der Bienen in Bakterien der Art Escherichia coli ein und brachten diese so dazu, EPSPS zu produzieren.

Und offenbar brauchen die Bienen-Bakterien dieses Enzym, um als bakterielle Symbionten in der Darmflora von Honigbienen wirksam zu sein.

Tatsächlich nahm auch die Zahl der in der Darmflora der Bienen gefundenen Bakterienarten signifikant ab, wenn man die Tiere Glyphosat aussetzte - einige Arten verschwanden fast komplett aus ihrer Darmflora.

Immunschwäche durch Glyphosat

Ob EPSPS in den Bakterien kodiert oder durch Glyphosat blockiert wird, scheint für die Honigbienen erhebliche Konsequenzen zu haben: Bienen, deren Darmflora durch Blockade der EPSPS gestört ist, gewinnen weniger Gewicht hinzu als ihre Artgenossen, auch ihr Immunsystem ist deutlich geschwächt.

Dafür, behauptet die Studie, sei Glyphosat verantwortlich: "Wir fanden heraus, dass dieses Mikrobiom nach einer Exposition mit Glyphosat während und nach der Besiedlung des Darms beeinflusst wurde und dass der Kontakt mit Glyphosat im frühen Stadium der Darmbesiedlung die Sterblichkeit von Bienen erhöhte, wenn diese einem Erreger ausgesetzt wurden," schreiben die Autoren der Studie.

Im Klartext: Der frühe Kontakt mit Glyphosat sorge für eine Schwächung des Immunsystems von Bienen, von denen dann bei Kontakt mit Krankheitserregern messbar mehr starben als ohne Kontakt mit Glyphosat.

Alle Versuche wurden mit Glyphosat-Konzentrationen durchgeführt, wie sie in der Anwendung in der Natur vorkommen und als unbedenklich eingestuft sind, so die Wissenschaftler.

BUND fordert schnelles Handeln

Die Ergebnisse dieser Studie sind natürlich Wasser auf die Mühlen der Naturschutzorganisationen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert denn nun auch auf Grund der Studie die Bundeslandwirtschaftsministerin postwendend zum zügigen Handeln auf. 

"Damit das Vorsorgeprinzip angemessen berücksichtigt wird, um Gefahren für Menschen und Umwelt künftig auszuschließen, muss es möglich sein gefährliche Stoffe schnell vom Markt zu nehmen," heißt es in einer aktuellen Erklärung des BUND.

"Julia Klöckner sollte zügig den im Koalitionsvertrag zugesagten Ausstiegsfahrplan für Glyphosat vorlegen," fordert nun der Umweltschutzverband.

Kritik zur Studie von Bayer

Die Ergebnisse der Studie stützen sich nur auf eine relativ geringe Anzahl untersuchter Bienen, kritisiert der Chemieriese Bayer. "Eine realistische Einschätzung, inwieweit die beobachteten Effekte tatsächlich unter Praxisbedingungen schädigend sein könnten, ist hingegen nur durch die Beobachtung ganzer Bienenvölker unter Feldbedingungen möglich," heißt es in einer Stellungnahme der Bayer AG.

Kritik ernten die Forscher auch deshalb, weil frühere Arbeiten des Forscherteams unberücksichtigt bleiben, nach denen vor allem Antibiotika, die von Imkern in Bienenstöcken verwendet werden, die Ursache für veränderte Darmmikroben-Gemeinschaften bei Honigbienen sind.