Bio, Ökolandbau & Umwelt

Solidarische Landwirtschaft
Ernterisiko auf viele Schultern verteilt: das Solawi-Prinzip

Kiste mit Gemüse

Mitglieder einer Solawi erhalten regelmäßig einen Ernteanteil in Form von frischem Gemüse, aber auch Milch- und Fleischerzeugnisse sind bei einigen Solawis möglich.

Bild: Pixabay

In einer Solidarischen Landwirtschaft wirtschaften Landwirte und Verbraucher quasi gemeinsam. Sie teilen sich nicht nur die Ernte, sondern auch die Risiken. In Zeiten von Ernteverlusten eine besondere Konstellation.

Der Zusammenschluss in einer solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi genannt, ist von gegenseitigem Nutzen: Die Landwirte praktizieren eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft und müssen sich nicht mehr dem globalen Konkurrenzdruck stellen. Sie versorgen die teilnehmenden Verbraucher mit ihren regional erzeugten Lebensmitteln.

Im Gegenzug verpflichtet sich die Verbrauchergemeinschaft, einen vereinbarten Geldbetrag an den Hof zu zahlen, mit dem die gesamte landwirtschaftliche Produktion finanziert wird. Die erzeugten Lebensmittel werden nicht verkauft, sondern untereinander verteilt. Eine Win-win-Situation, die einigen Landwirten Mut macht, sich auf solidarische Landwirtschaft einzulassen.

Den Gewinn maximieren oder große Sprünge machen? Das können Bauern, die auf solidarische Landwirtschaft setzen, nicht. Aber, sie haben ein sicheres Einkommen – und zufriedene Mitglieder.

Transparenz und gemeinsame Planung

Mitglieder zahlen pro Monat einen bestimmten Beitrag und erhalten im Gegenzug regelmäßig einen Ernteanteil. Damit ist das Einkommen des Landwirts gesichert. Und die Mitglieder wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Sie unterstützen damit auch die regionalen Betriebe.

Die Kosten für eine Mitgliedschaft schwanken zwischen 60 und 100 Euro im Monat bei einer gemüsebetonten Versorgung und reichen bis zu etwa 180 Euro für eine Vollversorgung, die auch Brot, Milchprodukte und Fleisch einschließt. Darüber hinaus können Beiträge auch in nicht-monetärer Form erbracht werden, beispielsweise durch Hilfe beim Zaunbau oder bei der Obsternte.

Mindestens einmal im Jahr treffen sich alle Mitglieder, um das neue Wirtschaftsjahr zu planen. Die Landwirte legen offen, wie viel Geld sie im kommenden Jahr benötigen, was mittel- und langfristig angeschafft werden muss und wie viel sie im vergangenen Jahr ausgegeben haben. Aus dem Jahresbudget errechnet sich der Mitgliedsbeitrag für das nächste Jahr.

Als Solawi-Landwirt ist man froh, ein kalkulierbares Einkommen zu haben und dabei unabhängig von den Marktpreisen zu sein. Nennbare Gewinne für sich zu erzielen, ist aber meist nicht drin. 

Landwirt Ralf Zinke und sein Sohn Matthias betreiben gemeinsam einen landwirtschaftlichen Hof in der hessischen Provinz und bauen ausschließlich biologisch Gemüse an. Ihre Abnehmer sind Mitglieder der Solidargemeinschaft, bestehend aus Bewohnern der umliegenden Dörfer. Jeder von Ihnen zahlt einen festen Jahresbetrag.

Dafür bekommen Sie frisches Gemüse aus der Region und eine Gemeinschaft, in der gemeinsam geerntet, gekocht und geplaudert wird. Einige Kilometer weiter östlich betreibt Jan einen Biomitgliederladen. Dort verkauft er an seine Mitglieder regionale Produkte vom fairen Preis.