Agrarwirtschaft

Ernte 2018
Sachsen-Anhalt prüft Hilfen für von der Dürrekatastrophe betroffene Landwirte

Dürreschäden

Von der anhaltenden Dürre geschädigte Druschfrüchte.

Bild: mule/Sachsen-Anhalt

Landwirtschaftsministerin Dalbert hat diese Woche landwirtschaftliche Betriebe besucht, um sich vor Ort über die Trockenheit und deren Folgen für die Landwirtschaft ein Bild zu machen.

„Der Regen der letzten Tage war ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Felder, die ich gesehen habe, zeigen überdeutlich das Ausmaß der Trockenheit. Die drohenden Ernteeinbußen und damit fehlendes Einkommen und vor allem fehlendes Futter für die Tiere machen unseren Landwirtinnen und Landwirten zu schaffen“, beschreibt Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert ihre Eindrücke.

„Wir lassen unsere Landwirtinnen und Landwirte nicht allein. Wir ergreifen alle notwendigen Maßnahmen, um sie zu unterstützen. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viele Briefe geschrieben und um Unterstützung gebeten. Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Auch bereits etablierte Maßnahmen können helfen, wie der von der Landgesellschaft angebotene Ankauf von Flächen mit Rückkaufoption“, macht Ministerin Dalbert deutlich.

Liquiditätshilfen

Das Angebot der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt sieht vor, dass die landwirtschaftlichen Betriebe Flächen mit garantierter Rückkaufmöglichkeit durch den Eigentümer an die Landgesellschaft verkaufen können. Dadurch wird die kurzfristige Liquidität gesichert und die Landwirte werden entlastet. Die Landwirte können die Flächen bei der Landgesellschaft pachten und zurückkaufen, sobald es ihre wirtschaftliche Situation wieder zulässt.

Ist die anhaltende Dürre eine Naturkatastrophe?

Zur Forderung nach dem Ausruf eines Notstandes für die Landwirtinnen und Landwirte sagt Dalbert: „Der Begriff Notstand ist sachlich nicht korrekt. Es geht um die Feststellung für Sachsen-Anhalt, ob die Dürre als widriges Witterungsverhältnis mit einer Naturkatastrophe gleichzusetzen ist. Das ist gegeben, wenn die Erträge der Landwirtschaftlichen Unternehmen um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Durchschnittsertrag gesunken sind. Dies werden wir selbstverständlich prüfen. Die Prüfung ist jedoch erst möglich, wenn die Ernteergebnisse vorliegen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um Beihilfen gewähren zu können.“

Sofortmaßnahmen

Seit dem 1. Juli dürfen ökologische Vorrangflächen auf Antrag in allen Regionen Sachsen-Anhalts für Futterzwecke genutzt werden. Damit soll tierhaltenden Unternehmen geholfen werden.

Auf Bitte von Ministerin Dalbert hat Finanzminister Schröder die Finanzämter darauf hingewiesen, die besondere Situation der Landwirtschaft, wie in der Vergangenheit, angemessen zu berücksichtigen. Über Anträge der Landwirte, unter anderem auf Stundung fälliger Steuern oder Anpassung der Vorauszahlungen unter Einbeziehung der aktuellen Situation, soll nach pflichtgemäßem Ermessen schnell entschieden werden. Den Landwirten wird geraten, frühzeitig den Kontakt mit dem jeweils zuständigen Finanzamt zu suchen.

Landwirtschaft muss sich dem Klimawandel anpassen

„Extremwetterereignisse werden zunehmen. Das macht auch die aktuelle Dürre deutlich. Der Klimawandel lässt sich nicht leugnen. Um Ernteeinbußen aufgrund von Extremwetterereignissen zukünftig zu minimieren, muss sich die Landwirtschaft stärker an den Klimawandel anpassen.“ Darauf weist die Landwirtschaftsministerin hin und plädiert für folgende Veränderungen:

Nutzpflanzen können auf spezielle Sorten umgestellt werden, die eine höhere Trockentoleranz aufweisen. Die Bestandsdichte sollte so bemessen sein, dass es nicht zur Wasserkonkurrenz zwischen den Einzelpflanzen kommt. Das Landessortenversuchswesen hat hier mit der regionalen Prüfung des landeskulturellen Wertes von Sorten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen eine entscheidende Schlüsselstellung inne und veröffentlicht die Ergebnisse jährlich in seinen Hinweisen zur Sortenwahl.

Auch eine stärkere Anbaudiversifizierung im Ackerbau, die über die Mindestanforderungen an die Betriebsleiter im Rahmen des Greenings hinausgeht, kann zur Risikostreuung beitragen. Ein angemessenes Verhältnis von Winterungen zu Sommerungen mit langer Vegetationszeit wirkt unterstützend. Eine weitere Möglichkeit sind konservierende Bodenbearbeitungsverfahren. 

Quelle: mule/Sachsen-Anhalt