Agrarwirtschaft

Erzeugerpreise
Höhere Erzeugerpreise zur Absicherung gegen Wetterextreme

Supermarktkasse

Nur wenige Cent beim täglichen Einkauf mehr bringen den Landwirten extrem viel, wenn sie denn dort ankommen.

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Bauernpräsident Joachim Ruckwied brachte jüngst eine staatlich geförderte Risikoversicherung als Sicherung gegen extremes Wetter ins Spiel. Wären nicht höhere Erzeugerpreise viel logischer?

In Deutschland fällt der Anteil der Verkaufserlöse der Landwirtschaft an den Verbraucherausgaben für Lebensmittel seit Jahren. Die Schere klafft inzwischen gewaltig. 1950 kostete ein Kilo Brot etwa 22 Cent. 13 Cent machte damals der Getreidepreis am Brot aus. Heutzutage kostet 1 Kg Brot in etwa 2,40 Euro und der Getreidepreis liegt bei etwa 10 Cent.

Steigende Lebensmittelpreise alleine, würde den Landwirten noch nicht helfen, wichtig sei, dass eventuelle Erhöhungen auch bei Ihnen ankommen, schreibt der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

"Die Erzeugerpreise sind insgesamt zu niedrig und führen in Verbindung mit steigenden Kosten zu sinkenden Gewinnen in den landwirtschaftlichen Betrieben. Laut aktuellem Agrarbericht des Landes Rheinland-Pfalz stagniert die Einkommensentwicklung der Branche im längerfristigen Vergleich auf dem Niveau von vor zehn Jahren," kritisiert der Rheinlandpfälzer Bauernpräsident Eberhard Hartelt.

Höhere Erzeugerpreise bräuchte der Konsument nicht mal fürchten. Die Lebensmittelpreise müssten nur geringfügig steigen, um den Landwirten ein auskömmliches Einkommen zu sichern. So würde ein Kartoffelerzeuger 400 EUR pro Hektar mehr verdienen, wenn der Preis für ein Kilogramm Kartoffeln um nur einen Cent steigen würde.

In Deutschland beträgt der Anteil der Nahrungsmittel an den Gesamtausgaben nur gut 10 Prozent und ist damit einer der niedrigsten in der gesamten EU. 

Präsident Hartelt sieht die Handelsunternehmen in der Pflicht. "Sie müssten im Einkauf auskömmliche Preise zahlen und damit zum Fortbestand der heimischen Landwirtschaft beitragen."

Mit fairen Preisen könnten Landwirte gegen Extremwetterereignisse vorsorgen

Schwankende Preise für Milch, Getreide und Fleisch seien für Bauern ein Problem, das auch ohne Dürre immer wieder vorkomme. Preisschwankungen sind ein wiederkehrendes Risiko, das sind die Landwirte gewöhnt und wird in das Risikoportfolio eingeplant. Für Extremwetterereignisse reichen die Rücklagen jedoch nicht aus. 

Faire Erzeugerpreise würden den Betrieben mehr Möglichkeiten bei der betriebsindividuellen Risikovorsorge eröffnen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels immer wichtiger wird. Rücklagen könnten gebildet, Kulturschutzeinrichtungen installiert oder Versicherungen gegen wetterbedingte Ausfälle auf breiter Basis abgeschlossen werden.

Die Krisenfestigkeit der Betriebe würde auf diesem Weg deutlich erhöht. In einem Jahr wie 2018, bei dem es in großen Teilen Deutschlands massive Ernteausfälle zu beklagen gibt, wären die Betriebe dann nicht mehr auf staatliche Finanzhilfen angewiesen.

"Wir würden gerne in sehr guten Jahren Geld beiseite legen, das nicht versteuert werden muss und das würden wir gerne in schlechten Jahren wieder auflösen. Aber jeder Betrieb für sich selbst, so dass wir eigenverantwortlich mit einer Krise zurechtkommen," fasst Landwirt Hubertus Beringmeier die Stimmungslage vieler Landwirte zusammen. Keiner will als Bittsteller da stehen, dafür muss man aber Möglichkeiten haben, in guten Jahren finanzielle Polster anzulegen.