Agrarwirtschaft

Bayer-Monsanto Übernahme
Bayer-Chef Werner Baumann zum Glyphosat-Urteil in den USA gegen Monsanto

Werner Baumann

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG

Bild: Bayer AG

In einem großen Interview mit dem Handelsblatt spricht der Bayer-Chef erstmals über das in den USA ergangene Urteil einer Jury, das einem an Krebs erkrankten Hausmeister knapp 290 Millionen Euro zusprach. 8.000 weitere Klagen gegen Monsanto sind anhängig.

"Was den konkreten Fall betrifft: Wir empfinden tiefes Mitgefühl für Herrn Johnson und seine Familie, aber Glyphosat ist für seine Krebserkrankung nicht verantwortlich," sagt Werner Baumann gegenüber dem Handelsblatt.

Er kündigt an sich "in diesem Fall und auch in den weiteren Fällen" energisch verteidigen zu wollen. "Die Entscheidung der Jury steht im Widerspruch zu bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit," gibt sich Baumann siegessicher.

In dem konkreten Fall will man nun Rechtsmittel einlegen und "sollte dies – entgegen unserer Erwartung – keinen Erfolg haben, werden wir uns in einem nächsten Schritt an das Berufungsgericht wenden."

Angesprochen auf einen vielleicht schon jetzt vorhandenen Reputationsschaden sagte Baumann dem Handelsblatt: "Wir haben uns überhaupt nichts vorzuwerfen, wenn wir wie mit Glyphosat ein sicheres und bewährtes Produkt zur Verfügung stellen. Und wir stehen für einen transparenten Dialog mit allen Interessengruppen – selbstverständlich auch, was die Umweltverträglichkeit unserer Produkte betrifft."

Baumann: Forschungsstandort Europa geschwächt

Zu der europäischen Glyphosatdebatte bemängelt der Bayer-Chef fehlendes Vertrauen in den Fortschritt. "Die Chancen von Innovationen und Technologien werden dadurch zu wenig geschätzt und wahrgenommen. Stattdessen sehen wir eine Tendenz, dass das Vorsorgeprinzip überbetont wird, wie zum Beispiel auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Genom-Editierung zeigt. Das schwächt den Forschungsstandort Europa immens," so Baumann.

Gezielter Pflanzenschutz durch Digitalisierung und Forschung

Drohnen oder Satelliten können heute bereits den Schädlingsbefall auf Feldern genau eingrenzen und dadurch können Pflanzenschutzmittel viel gezielter und nachhaltiger eingesetzt werden, berichtet Baumann mit Blick auf den Bereich Digitalisierung, den der Konzern stark im Fokus hat.

Die Reduzierung des Düngemitteleinsatzes ist eine Strategie, die sich Bayer ebenfalls widmet. "In einem Gemeinschaftsunternehmen erforschen wir, wie die Stickstoffbindung von Kulturpflanzen erhöht werden kann. Dadurch könnte der Bedarf an Kunstdünger zukünftig um 30 Prozent verringert werden," sagt Baumann.

Am Ende des Interview mit dem Handelsblatt betont der Bayer-Chef "ein enormes Innovationspotenzial auf dem Gebiet der Landwirtschaft" durch die Übernahme von Monsanto erreicht zu haben. Bis 2022 sollen dadurch Synergieeffekte in Wert von 1,2 Milliarden Dollar erreicht werden.

Der Konzernchef sieht Bayer mit der Übernahme und der damit verbundenen Stärkung der Crop-Science Sparte auf einen guten Weg: "Nicht nur beim chemischen und biologischen Pflanzenschutz, sondern auch was neue Züchtungsmethoden angeht. Zudem wird die Digitalisierung die Landwirtschaft noch effizienter und umweltverträglicher machen," so Baumann`s Blick in die Zukunft.