Agrar-Politik

Umbau der Landwirtschaft
Landwirtschaft: Umbau nach Ideologie statt fachlichem Wissen?

Maisacker

Maisfeld von Extremwetter stark zugesetzt

Bild: RNZ

Ringen um den richtigen Weg: Die Dürre Situation ruft auch Ideologen und Politiker auf den Plan, die die Landwirtschaft dafür verantwortlich machen, was umweltpolitisch schief läuft, kritisieren Mecklenburg-Vorpommerns Bauernvertreter.

Bauern sollten sich auf die Extremwetterereignisse der Zukunft besser einstellen - diesen Appell hörte man in den vergangenen Tagen und Wochen oft.

Die Lösungsvorschläge blieben hingegen stets dürr kritisiert der Bauernverband in Mecklenburg-Vorpommern.  Einen „radikalen Wandel in der Agrarpolitik“ forderte die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, angesichts landwirtschaftlicher Schäden durch Wetterextreme und Klimawandel. 

Aus der Politik kommen viele Forderungen aber "keine konkreten Lösungen für das Problem, stattdessen wird die Dürre-Situation ausgenutzt, um die Landwirtschaft nach den eigenen ideologischen Vorstellungen umzubauen," kritisiert der Bauernverband.

Mecklenburg-Vorpommerns Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck: „Wir brauchen mehr Ehrlichkeit in der Politik und Fortschritt, statt einer Abkehr von der modernen Landwirtschaft. Es braucht politischen Mut, wirksame Technologien und Pflanzenschutzmittel nicht auf dem Altar des Populismus und der Wählergunst zu opfern und sie stattdessen, im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft, zielgerichtet zu fördern.“

Auch Bauern in Bremen kommt vom Bauernverband Kritik: "Es ist inakzeptabel, dass die Zeit der existenzbedrohenden Dürreauswirkungen zum ideologischen Krawall machen genutzt wird," heißt es in einer Mitteilung.

Die moderne Landwirtschaft hat zu Wohlstand und Ernährungssicherheit beigetragen. Dieser Fortschritt ist zu einem gewichtigen Teil modernen Ackerbaustrategien, dem Pflanzenschutz und immer besserem Saatgut zu verdanken. Doch genau hier werden der Landwirtschaft immer mehr Mittel weggenommen – teils entgegen besserem Wissen.

Weniger Pflanzenschutz bedeutet: Weniger Schutz für Pflanzen!

Die Politik stellt immer höhere Forderungen an den Berufstand, während sie Landwirten immer mehr Instrumente gegen Klimaveränderungen aus der Hand nimmt. Die Rapsbeize beispielsweise, die im März dieses Jahres verboten und vorher mehrere Jahre lang nicht benutzt werden durfte, schützte unter anderem die Wurzeln der Rapspflanzen gegen die kleine Kohlfliege.

Je besser sich Wurzeln entwickeln können und je weniger sie durch Insekten gefressen werden, desto mehr Wasser kann die Pflanze aufnehmen und desto widerstandsfähiger ist sie gegen Trockenheit.

Das Verbot der Rapsbeize beruhte auf einem Einzelfall, in dem die Neonicotinoide nachgewiesenermaßen nicht fachgerecht eingesetzt wurden, weshalb es zu einem Bienensterben in der dortigen Region kam.

Eine großangelegte Studie in Mecklenburg-Vorpommern konnte hingegen keine schädlichen Auswirkungen auf Insekten, Wild- und Honigbienen bei fachgerechter Anwendung feststellen. Sie floss nicht in die Bewertung des EU-Ausschusses ein.

"Nun müssen Ersatzstoffe angewendet werden, die möglicherweise Hummeln schädigen und häufiger ausgebracht werden müssen. Außerdem: Je weniger Pflanzenschutzwirkstoffe zur Verfügung stehen, desto höher ist die Gefahr von Resistenzen," so der Bauernverband.

Moderne Technologien werden aus Europa ausgeschlossen

Ein Lichtblick bezüglich eines sich verändernden Klimas ist außerhalb Europas auch die sogenannte Gen-Schere (Genome-Editing), die nichts anderes ist, als eine neue Züchtungsmethode.

Bisher konnte nur mit Hilfe von radioaktiver Strahlung, Chemikalien oder Bakterien eine Zufalls-Mutation erzeugt werden. Gene werden verändert, um neue Eigenschaften zu erzeugen. In der Natur passiert das tagtäglich Milliardenfach – ohne diese Eigenschaft wäre keine Evolution möglich.

Mit der Gen-Schere kann gezielt und präzise eine bestimmte Stelle der DNA verändert werden. Da das Weizen-Genom jetzt entschlüsselt wurde, ist zu erwarten, dass beispielsweise die Dürre-Robustheit einer Weizensorte gezielt in eine andere Weizensorte integriert werden könnte, die beispielsweise eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Krankheiten hat.

Das spart nicht nur Pflanzenschutzmittel, sondern auch wertvolle Zeit, denn bei der konventionellen Weizenzüchtung dauert es bis zu zehn Jahre, um eine neue Sorte zu entwickeln. Zumal: Eine starke Regulierung, wie sie Seitens der EU derzeit angestrebt wird, schadet vor allem der Branchenvielfalt, denn kleine Saatzucht-Unternehmen können den Verfahrensaufwand kaum stemmen und werden langfristig kaum konkurrieren können, wenn sie nur die Technik aus dem letzten Jahrtausend nutzen können.

Quelle: Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern