Ackerbau

Cash Crop Konferenz 2018 in China
Lohnt Ackerbau überhaupt? Agrarökonomen aus aller Welt diskutierten dies

Cash Crop Konferenz

Cash Crop Konferenz in Peking (China): 50 internationale Agrarökonomen diskutierten darüber wann sich Ackerbau lohnt.

Bild: agri benchmark/Tanja Möllmann

Betriebe in Argentinien, Kanada und Osteuropa zeigen, dass Pflanzenproduktion gewinnbringend sein kann. In vielen Teilen der Welt bleibt der Ackerbau finanziell aber ein schwieriges Unterfangen.

Die Kostenreduktion ist für viele Produzenten von größter Bedeutung. Die Gesamtentwicklung der Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe ergibt dabei ein uneinheitliches Bild: Im Jahr 2017 lagen viele typische EU-Betriebe unter dem Durchschnitt von 2014-2016.

In Nord- und Südamerika hingegen konnten sich zahlreiche Betriebe gegen den Trend leicht verbessern. Insbesondere die meisten typischen Betriebe in Argentinien, Kanada, Russland und der Ukraine waren 2017 profitabel.

Die Zuckerrohr- und Zuckerrübenproduktion leidet erheblich unter dem starken und anhaltenden Rückgang der Weltmarktpreise. Thomas de Witte vom agri benchmarkCenter: „In der EU sind die Gewinnspannen im Zuckerrübenanbau im Vergleich zu den Vorjahren um 60 bis 80 % gesunken.“

Trotz knapper Margen wurde allerdings die Agrar-Produktion global nicht zurückgefahren. Im Gegenteil, die Newcomer auf den Agrarmärkten aus Osteuropa und Lateinamerika haben in den letzten Jahren ihre Produktion erheblich gesteigert. Folglich wachsen die globalen Rohstoffmärkte mit bemerkenswertem Tempo: Seit 2012 haben die zehn größten Sojaproduzenten ihre Exporte um rund 8,2 % p.a. gesteigert; bei Mais betrug die jährliche Wachstumsrate 7,4 % und bei Weizen 4,9 %.

Da die OECD und FAO aber einen deutlichen Rückgang der Wachstumsraten der Getreide- und Ölsaatennachfrage prognostizieren, sollte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir einen weiteren Rückgang der globalen Rohstoffpreise sehen. Der Koordinator des agri benchmark Cash Crop Centers am Thünen-Institut in Braunschweig, Yelto Zimmer, kommt zu dem Schluss: „Wir werden versuchen herauszufinden, wie sich die Landwirte an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen werden, falls diese Veränderung tatsächlich eintreten sollte.“

EU-Weizen: wenig profitabel, aber auch für die Umwelt unverzichtbar

In den hoch entwickelten Ländern ist der Weizen – trotz hoher Fruchtfolgeanteile – häufig weniger rentabel als andere Kulturen. Wenn möglich, verringern Landwirte in Ländern wie den USA oder Kanada daher ihre Weizenanbaufläche. Da die alternativen Kulturen, wie zum Beispiel der Raps in der EU, häufig mit erheblichem Krankheitsdruck zu kämpfen hat, ist es jedoch sehr oft nicht ohne weiteres möglich, den Anbauanteil anderer Kulturen in großem Stil zu erweitern.

Aufgrund strengerer Umweltregulierungen und zunehmenden Resistenzen bei Ungräsern und Schädlingen haben viele Landwirte in der EU keine andere Wahl als ihre Fruchtfolgen zu diversifizieren. Der französische agri benchmark-Partner Baptiste Dubois stellt fest: „Erweiterte Fruchtfolgen und Veränderungen in Bodenbearbeitungssystemen können nicht nur Pflanzenschutzmittel einsparen und die Wahrscheinlichkeit neuer Resistenzen reduzieren, sondern auch die Gewinne steigern.“

In den kommenden Jahren wird agri benchmark zusammen mit weiteren wissenschaftlichen Partnern intensiv an der Entwicklung von Produktionssystemen arbeiten, die sowohl praktikabel und rentabel sind, als auch die neuen Herausforderungen im Ackerbau bewältigen.

China: mit hohen Subventionen in Richtung Genossenschaftsbetriebe

Die Betriebsbesichtigungen in China und der wissenschaftliche Austausch mit chinesischen Ökonomen zeigten die hohe und noch zunehmende finanzielle Unterstützung der Pflanzenproduktion durch den chinesischen Staat: Importzölle, Mindestpreise, Flächenzahlungen und direkte Subventionierung der Inputs sind für Weizen, Reis und Mais sehr wichtig. Dies führt dazu, dass die inländischen Agrarpreise bis zu 60 % über den Weltmarktpreisen liegen. Darüber hinaus werden Genossenschaften, die in Maschinen- und Anlagen wie z.B. Bewässerungssysteme investieren, mit bis zu 80 % der Kosten subventioniert. Der Nachteil dieser Entwicklung liegt auf der Hand: Die Pachtpreise sind sehr hoch, was es den Landwirten schwermacht, ihre Betriebe weiterzuentwickeln.

Die chinesische Regierung legt großen Wert auf die Gründung und das Wachstum von Genossenschaften und sogenannten Konglomeraten, die im Grunde private Unternehmen sind: 2016 waren mehr als 44 Millionen Bauern Mitglieder einer Genossenschaft – gegenüber 1,3 Millionen im Jahr 2008 (+ 3.200 %). Das Geschäftsmodell der Produktions-Genossenschaften basiert auf zwei Säulen: Manche Landwirte produzieren nicht mehr selbst und verpachten das Land an die Genossenschaft, andere bewirtschaften weiter ihren Betrieb, lagern aber einzelne Arbeitsgänge wie Aussaat und Ernte an die Genossenschaft aus.

Die Pflanzenproduktion im Norden Chinas ist sehr intensiv: Mehr als 200 kg N/ha für 8 t/ha Mais sind sehr verbreitet. Aufgrund der kurzen Wachstumsperiode und des kühlen Frühjahrs werden die Kartoffeldämme oft mit Plastikfolien bedeckt; Bewässerung in dieser Region ist die Regel, teilweise sogar mit Tröpfchenbewässerung. Die Minderung der Treibhausgasemissionen dürfte in China ein enormes Potenzial haben, indem die Stickstoffdüngung an den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen angepasst wird. Zu diesem Schluss kam eine Analyse von Daniel Tudela vom agri benchmark-Center.

Thailändische Maniok-Wertschöpfungskette – Vorbild für Afrika?

Orawan Srisompun, agri benchmark-Partnerin aus Thailand: „Die thailändischen Maniok-Chip- und Stärkewertschöpfungsketten bieten den ländlichen Haushalten wichtige Einkommensmöglichkeiten, nicht nur auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, sondern auch als Lohnunternehmer und – in geringerem Maße – in der Verarbeitung .“ Die Herstellung von Maniok-Chips ist ein kleines, aber profitables Geschäft, während die Stärkeproduktion erhebliche Investitionen und eine gute Infrastruktur voraussetzen, um die großen Mengen Maniok beschaffen und verarbeiten zu können. Die Entwicklung des thailändischen Maniok-Sektors bietet Anregungen, wie auch afrikanische Länder Maniok als Marktfrucht entwickeln können, um das Einkommen der Kleinbauern zu erhöhen. Ein Bericht dazu wird demnächst im agri benchmark Center zum Download zur Verfügung stehen.

Soja: Anbaustrukturen in den USA vermutlich unverändert

Michael Langemeier, agri benchmark-Partner aus Indiana (USA), präsentierte seine Analyse zur Wettbewerbsfähigkeit von Mais vs. Soja im US-Maisgürtel. Er konnte zeigen, dass die aktuellen Preisverhältnisse die Mais-Soja-Fruchtfolge in diesem Teil der Welt sehr begünstigen. Nur wenn die Preise für Sojabohnen in den USA um mehr als 10 % (ca. 35 USD/t) fallen und die Maispreise unverändert bleiben, würden Landwirte zu einer Mais-Mais-Soja-Fruchtfolge übergehen. Langemeier: „Ein solch starker Rückgang der relativen Preise scheint derzeit unwahrscheinlich. Daher sehe ich in den Anbaustrukturen in den USA trotz der Turbulenzen im globalen Sojahandel keine wesentlichen Veränderungen.“

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut